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"Dor was ene Musikverein, en dän kömmt weer!"

Reste alter Musikinstrumente auf dem Dachboden der Nicolaikirche - das sollte alles gewesen sein, was übrig blieb? Franz "Ohme" (Onkel) Devers war anderer Meinung: "Dor was ene Musikverein, en den kömmt weer!" - Da war ein Musikverein, und der kommt wieder. Einige Kollegen aus dem Kirchenvorstand, vor allem aber auch Pastor Anton Beckmann, konnte er für seine Idee gewinnen, und schließlich wurden 12 neue Blasinstrumente bei der Firma "Schuster & Co." in Markneukirchen gekauft. "Franz Ohme" hatte eine Liste öffentlich ausgelegt. Name um Name wuchs der Verein: Leo Kanders, Karl Schneider, Heinrich Berendonk, Heinrich Boothe, Willhelm Fischer, Theo Völling, Wilhelm Görtzen, Karl Büning, Heinrich Masthoff, Wilhelm Haven, Karl Kanders, Wilhelm Hoogen, Johann Devers, Johann Lemm, Jakob Herentrey, Wilhelm Völling, Johann Wilmsen, Johann Verhülsdonk, Johann Lörks, Josef Verhülsdonk und Josef Siking hinzu, viele aus den Reihen des Spielmannszuges der 1925 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Dem vielleicht etwas tristen Dasein eines Oberzollsekretärs der Kalkarer Zollstation ein wenig entfliehend, übernahm der ehemalige Militärmusiker Edmund Krieg die musikalische Leitung. Ab Mai 1927 drangen dienstags und freitags ungewohnte Töne aus dem "Haus Sieben Linden" an der Grabenstraße, doch nach und nach wurde Musik daraus. 

Das Bild zeigt den Musiverein im Jahre 1928 (von vorne rechts nach hinten links): Edmund Krieg, Franz Devers, Leo Kanders, Karl Schneider, Heinrich Berendonk, Heinrich Boothe, Wilhelm Fischer, Theo Völling, Wilhelm Görtzen, Karl Büning, Heinrich Masthoff, Wilhelm Haven, Karl Kanders, Wilhelm Hoogen, Johann Devers und Johann Lemm.

Im Frühjahr 1928 wagten sie es. „Nachdem wir Fronleichnam mit 7 Leuten Sakramentslieder gespielt hatten, brachten wir bei der Silberhochzeit der Eheleute Johann Fischer, den Eltern unseres Kameraden Wilhelm Fischer, ein Ständchen. "Das war", so erinnerte sich Heinrich Boothe, "unser erstes Auftreten in der Öffentlichkeit." Im Herbst 1928 feierte der junge Verein sein erstes Stiftungsfest mit einem öffentlichen Konzert im Vereinslokal Lemm (Hanselaer Straße). Dirigent Edmund Krieg und seine 13 Spieler erlebten im ausverkauften Hause einen großen Erfolg.

Selbständigkeit erlangen und bewahren

Der "Katholische Musik Verein Calcar" wurde als kirchlicher Verein gegründet. Einige Kirchenvorstandsmitglieder leiteten hieraus Führungsansprüche ab. Reibungsverluste waren vorprogrammiert.  So wagte der Verein im Jahre 1929 den Sprung, in die Selbständigkeit. Wilhelm Fischer (1. Vorsitzender), Heinrich Boothe (2. Vorsitzender), Wilhelm Völling (Schriftführer) und Jakob Herentrey (Kassierer) übernahmen die Verantwortung. Dank Pastor Anton Beckmanns Einfluss durften die kircheneigenen Instrumente weiter benutzt werden. Als Gegenleistung verpflichtete sich der Verein, bei hohen kirchlichen Festen immer und unentgeltlich zu spielen.

Vor dem Probelokal „Haus Sieben Linden“ (Grabenstraße) sehen wir Johann Wilmsen, Theo Völling, Edmund Krieg, Willi Fischer, Karl Bühning, Johann Verhülsdonk, Heinrich Boothe, Josef Boothe, Johann Verheyen, Johann Maas, Wilhelm Hoogen, Gerhard Peters, Wilhelm Völling, Josef Siking, Theo Lemm, Johann Lörks, Karl Scheepers und Jakob Herentrey (von vorne rechts nach hinten links). Die Aufnahme entstand 1930 oder 1931.
Mir Frack und Zylinder: Konzert auf dem Marktplatz etwa um 1930

Es kam die Zeit der Hitler-Diktatur. Die sogenannte "Gleichschaltung" machte vor dem Musikverein nicht Halt: Am 1.5.1933 trat er dem "Stahlhelm"-Bund bei, und das "katholisch" wurde aus dem Vereinsstempel herausgekratzt. Zum Schutz vor weiteren Zugriffen tarnte sich der Verein als "Feuerwehrkapelle der Freiwilligen Feuerwehr in Calcar". Spielverbot und Auflösung wurden angedroht. Dies erzwang den Beitritt in den "Fachverband D3 des Reichsverbandes für Volksmusik" mit Frist zum 30.1.1935, und der bat erst einmal kräftig zur Kasse: 27 RM Beitragsnachzahlung für 1934 und 14,40 RM für das 1. Halbjahr 1935.

"Den Anordnungen der SS ... ist unbedingt Folge zu leisten," schrieb Bürgermeister Rouenhoff, und der Musikverein spielte auf der "Saartreuekundgebung“ am 15.1.1935. Um 19 Uhr marschierten die Teilnehmer, an der Spitze der Musikverein und die Fahnenkompanie zum "Adolf-Hitler-Platz", wo die Veranstaltung mit drei Böllerschüssen begann. Es folgten die Lieder "Deutsch ist die Saar" und das "Horst-Wessel-Lied".

"Jeder strebe, dass Deutschland lebe." Unter diesem Motto stand das "1. Schulungstreffen für Dirigenten im Reichsverband für Volksmusik" im Oktober 1935.  Edmund Krieg nahm daran teil. "Gute und schlechte Musik", war das Thema der Literaturbesprechung und ein "Kruppscher Musikzug" diente als Beispiel. Die "Weltanschauliche Schulung" stand jedoch im Vordergrund.

Die staatliche Bevormundung löste den passiven Widerstand vieler Vereinsmitglieder aus, und immer häufiger trat der Musikverein bei "befohlenen" Veranstaltungen mit nur mangelhafter Besetzung an.  Andererseits war es aber auch eine musikalisch fruchtbare Zeit, und das Ansehen des Vereins in der Bevölkerung wuchs. Im Herbst 1935 genehmigte der Gauschatzmeister der "N.S.D.A.P." ein öffentliches Konzert mit anschließendem Tanzabend im Saale Lemm. Gemäß einschlägiger Rechtsvorschriften floss der Erlös dem Winterhilfswerk "WHW" zu. Wenigstens erließ der Bürgermeister "mit Rücksicht darauf, dass sich der Musikverein bei öffentlichen Veranstaltungen bisher unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat ... für die veranstaltete Tanzlustbarkeit die gesamte Lustbarkeitssteuer."

Das nächste Konzert bei Lemm fand ein Jahr später am 8.11.1936 statt. Die Zeiten änderten sich und auch der Name des Vereins.  Er nannte sich "Musikverein Kalkar" und schrieb sich erstmals mit "K". Das Konzert umfasste 12 Programmpunkte, beispielsweise „Die Post im Walde", den "Grubenlichterwalzer" aus der Operette "Der Obersteiger" und auch zwei Werke des deutschen Marschkönigs Horst Ludwig Blankenburg, "Pilotenmut" und "Deutsche Marschperlen".

Bei den Passionsspielen in der "Teufelsschlucht" am Monreberg Anfang der 1930er-Jahre: Karl Bühning, Theo Völling, Johann Wilmsen, Jakob Herentry, Theodor Lemm, Josef Siking, Wilhelm Hoogen, Johann Verhülsdonk, Wilhelm Völling, Edmund Krieg, Wilhelm Fischer und Theodor Lörks (von hinten links nach vorne rechts).

Stimmungsvoll mag es zugegangen sein auf diesen Konzerten, wie ein Zwischenfall vom 11.4.1937 vermuten lässt: Auf der "Volksmusikveranstaltung" im Saale Robert Lamers, Wissel, beschädigte Obertruppführer Göggertz "mutwillig und ohne jeden Grund" eine Trompete.  Er entschuldigte sich "Ich war am selbigen Abend von einer Person in einen Zustand gebracht, dass ich nicht wusste, was eigentlich passiert war".  Unter Androhung "größerer Unannehmlichkeiten" erklärte er sich bereit, die Reparaturkosten in Höhe von 25 RM zu zahlen - viel Geld, wenn man bedenkt, dass eine neue Trompete damals etwa 100 RM kostete. Gemäß Aufnahmeantrag zur Reichsmusikkammer gehörten zu dieser Zeit 18 Mitglieder dem Verein an: Edmund Krieg (Dirigent), Karl Bühning, Wilhelm Hoogen, Gerhard Peters (Klarinette), Jakob Herentrey, Heinrich Boothe, Theodor Lemm (Flügelhorn), Theodor Völling, Josef Boothe (Trompete), Josef Siking, Ludwig van Wickeren (Althorn), Wilhelm Fischer, Wilhelm Völling (Tenorhorn), Josef Verhülsdonk (Bariton), Johann Lörks (Posaune), Gerhard van Bebber (Bass), Johann Verheyen, Wilhelm Nienhuy (Schlagzeug).

... weiter mit Teil 2