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Chronik - Teil 4

Aufbruch in eine neue Ära

Die St. Nicolai Kirche erhielt im August 1976 einen neuen Turmhelm, den sechsten im Laufe ihrer über 500jährigen Geschichte. Im Rahmen eines Gemeindefestes auf dem Kirchplatz spielte der Musikverein zur Unterhaltung auf. Stimmungsvoller Höhepunkt waren sicherlich die Trompetensignale, die Ewald Arntz vom Turm herab erklingen ließ.
Sein erstes Weihnachtskonzert in der Nicolai-Kirche gab der Verein am 19.12.1976. Das gut einstündige Programm spannte den Bogen von Werken der Barockmusik, wie Händels berühmtes "Halleluja", bis hin zur zeitgenössischen Blasmusik. Maria Dahms reimte damals:

Sonndag heij de kalkarse Menße es beweese,
dat gej nit blos Marschmusik könnt bloose. 
Ei Halleluja hät so prächtig geklonge,
dat eck et liftst hort hat metgesonge.
Än owen Dirigent - eck was van de Söck,
den hät ja en Stöck van Karajan weg.

Der Erlös dieser Veranstaltung kam dem Turmneubau zugute. Das Weihnachtskonzert gehört seitdem zu den regelmäßigen Veranstaltungen des Musikvereins. 

Beim Festumzug anlässlich des 160jährigen Vereinsjubiläums am 30. April 1978 zieht das Orchester mit klingendem Spiel durch die Monrestraße. Man erkennt Johann Wilmsen (mit Schild), Franz Nass (mit Schellenbaum) und Dirigent Willi Wienemann.

Am Vorabend  veranstaltete der Musikverein nach langer Pause wieder ein Saalkonzert in eigener Regie, mitgestaltet von den Kirchenchören aus Kalkar und Altkalkar, den Männergesangvereinen aus Kalkar und Niedermörmter und dem Tambourcorps Altkalkar.  Karl Braam übernahm die Moderation.  Bei der mehr als dreistündigen "Mammutveranstaltung" im Kalkarer Schulzentrum kamen erstmals die neuen Kesselpauken zum Einsatz, die nur dank einer beträchtlichen Spende des Vereinsmitgliedes Theodor Albers angeschafft werden konnten.  Die 41 Hobbymusiker des Orchesters unter der Leitung von Wilhelm Wienemann erschlossen mit Stücken wie "Russische Impressionen", "Suite International" und "Brazil" blasmusikalisches Neuland.  Bürgermeister Theo Kuypers urteilte in seiner Festansprache: "Der Musik Verein von Calcar ist aus dem gesellschaftlichen Leben von Kalkar heute nicht mehr wegzudenken, er gewinnt immer mehr an Profil."

Die gute alte Zeit im Vereinslokal „Scholl“ ging langsam aber sicher zu Ende. Das Foto entstand etwa 1960 auf dem Hof und zeigt u.a. Josef und Änne Janhsen (6. und 7. von links).

Die räumliche Enge, das Orchester zählte jetzt über 40 Musiker, zwang den Musikverein, sich nach einem anderen Proberaum umzusehen, und die Stadt Kalkar stellte kostenlos die Aula des Gymnasiums zur Verfügung. Aus der Befürchtung heraus, die Kameradschaft könne in der sterilen Atmosphäre der Schule Schaden nehmen, zögerte man den Umzug jedoch immer wieder hinaus.  Als an einem kalten Wintertag im Februar 1978 aber der Ofen ausfiel, er wurde nicht zu Unrecht "Brosspott" geschimpft, war dies der Auslöser zum Umzug. Ende 1979 wurde das Lokal geschlossen. Der Musikverein lud jedoch am 11.1.1980 noch einmal zur Mitgliederversammlung nach "Scholl" ein und nahm damit Abschied von seinem Vereinslokal.

Dabei wurde Heinrich Boothe zum "Ehrendirigenten" gewählt. Außer Edmund Krieg war dieser Titel vorher keinem verliehen worden. "Hein" Boothe kam 1927 als 19jähriger zum Verein, erhielt eine Ausbildung als Trompeter uns erlernte als Autodidakt noch Klarinette, Posaune, Tenorhorn und Basstuba dazu. Besonders hervorzuheben ist seine Tätigkeit als Ausbilder. 1965 wurde Heinrich Boothe Dirigent. Mit jahrzehntelanger Erfahrung bewältigte er die Tücken des Vereinsalltages.  Als er einmal bei der Probe die notwendige Harmonie vermisste, erklärte er belehrend: "Na, dat let dor dran ...“ - er nahm einen tiefen Zug aus der Zigarre – „eck weet et ok nit!" Von 1972 wirkte er bis zu seinem Tode am 29.3.1980 als Klarinettist im Orchester mit.

Zu Kalkars 750. Geburtstag gab der Musikverein am 12.4.1980 im Pädagogischen Zentrum ein Konzert, an dem auch die Chorgemeinschaft Appeldorn/Ginderich teilnahm. Während der Festwoche fand am 11.9. ein Gemeinschaftskonzert aller Kalkarer Chöre und Musikvereine statt, das der Musikverein mit Händels festlicher "Feuerwerksmusik" und Ted Huggens zeitgenössischem "Choral & Rock Out" eröffnete.

Änne und Josef Janhsen wurden am 7.1.1981 zu Ehrenmitgliedern ernannt.  An diesem Tag feierte die ehemalige Vereinswirtin ihren 60. Geburtstag.  Zu den Klängen ihrer Lieblingsmelodie "Schneewalzer" drehten sich die beiden "genau wie früher" im Tanze.  Anschließend lud Änne "unser Musikverein" zu einem kleinen Umtrunk ein, und gerne erinnerte man sich an ihren alten Spruch "Komm nach Scholl, dann wirst du voll".

Eine hohe Auszeichnung wurde dem Musikverein am 20.12.1981 zuteil. Regierungsvizepräsident Gaertner, hier links mit dem Vorsitzenden Heinz Wilmsen, überreichte beim Weihnachtskonzert in der Nicolai-Kirche die von Bundespräsident Carstens verliehene "Pro-Musica-Plakette". Voraussetzungen dafür sind einerseits besondere Verdienste um instrumentales Musizierens, andererseits der Nachweis einer über 100jährigen Vereinsgeschichte. Der Erlös des Konzertes kam der Polenhilfe zugute.

Bereits eine Woche später fand am 27.12. in der St. Clemens Kirche Wissel ein weiteres Wohltätigkeitskonzert für die Instandsetzung der Orgel statt. Der Musikverein kann auf eine lange Reihe von Wohltätigkeitskonzerten zurückblicken. Hier sei auch an die Konzerte in St. Lambertus Appeldorn zu Weihnachten 1979 und 1980 erinnert.
Eines der aktivsten Mitglieder starb am 8.3.1982 im Alter von nur 34 Jahren: Ewald Arntz. Bis zuletzt hatte er sich als Instrumentenwart, Jugendausbilder und 1. Trompeter verdient gemacht.
Nach fünfjähriger Pause gab der Musikverein am 29.9.1985 erstmals wieder ein Saalkonzert. Unter Willi Wienemann führten die 41 Orchestermitglieder im Pädagogischen Zentrum ein 12 Werke umfassendes Programm auf.  Langanhaltender Applaus der 250 Zuhörer forderte mehrere Zugaben heraus.  Dies war der Grundstein für die seitdem regelmäßig stattfindenden Herbstkonzerte.
Am 1.2.1986 brachte das Orchester August Mohn zum 60.  Geburtstag ein Ständchen.  August "Gus" Mohn kam 1947 in den Verein und wirkte bis zu seinem Tod 1997  als ältester Spieler aktiv mit. Sein Talent zur Sparsamkeit musste man bereits früh erkannt haben, denn 1956 wurde er zum Kassierer in den Vorstand gewählt und übte dieses Amt 31 Jahre ununterbrochen zu aller Zufriedenheit aus. August Mohn spielt Tuba, Bariton und Posaune, sein Lieblingsinstrument, und viele Spieler haben bei ihm das Handwerk erlernt. 1988 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Zu einer weiteren "musikalischen Gratulation" fand man sich schon zwei Tage später zum 80. Geburtstag des Ehrenmitgliedes Jakob "Köck" Herentrey ein. Der gelernte Schuhmachermeister gehörte zu denen, die dem Musikverein 1927 zu neuem Leben verhalfen. Auch am Wiederaufbau nach 1948 war er maßgeblich beteiligt.  Als Kassierer hatte er zu dieser Zeit bestimmt kein leichtes Amt. "Sein" Instrument, das Tenorhorn, spielte er bis ins Jahr 1960.

Sein 160jähriges Jubiläum feierte der Musikverein am 1. und 2. Oktober 1988. Das Foto wurde vor dem Festkonzert am Sonntagnachmittag aufgenommen. Am Vorabend hatte eine Serenade auf dem Marktplatz stattgefunden.  Beim Konzert stand das Orchester erstmals unter der Leitung von Wilhelm Wienemann und Stephan Weber, der seit 1986 als 2. Dirigent tätig ist.
Auch in anderer Hinsicht war 1988 ein besonderes Jahr: Mit seinem ersten Schülerkonzert am 10. Januar setzte der Musikverein neue Impulse in der Jugendarbeit.  19 Musikschüler zeigten in der Aula des Gymnasiums vor rund 100 Besuchern ihr Können. Wenn auch naturgemäß einige Töne daneben gingen, so konnte man doch einen erfreulichen Fortschritt bei der Ausbildungsqualität beobachten. Vorbei sind die Zeiten, wo bei schnellen Läufen "immer nur das 3. Ventil" benutzt wird, wie ein "alter Hase" früher einmal empfahl.
Über 500 Besucher waren gekommen, als die Stadt Kalkar am 11.3.1988 die neugestaltete Bürgerbegegnungsstätte "BB" der Öffentlichkeit vorstellte. Dem Musikverein gebührte die Ehre, die über vierstündige Mammutveranstaltung zu eröffnen. Unter der Leitung von Wilhelm Wienemann und Stephan Weber wurden die Stücke "lnvicta - Overture For Band" (J. Swearingen) und "Fascination Drums" (T. Huggens) gespielt. Viele Zuhörer äußerten sich begeistert: "So etwas Fetziges hatten wir nicht erwartet." 

"Kalkar in Blühte" war das Motto des ersten Maifestes der Stadt Kalkar am 6.5.1990. Der Musikverein spielte ein einstündiges Konzert auf dem Marktplatz.
"Altkalkar findet wieder zu sich selbst" schrieb die RP zur Einweihung der Begegnungsstätte in Altkalkar am 11.8.1990. Zur musikalischen Umrahmung der Einweihungsfeier spielte erstmals das Klarinettenensemble des Musikvereins.
"Im Zeichen Europas" stand das Herbstkonzert des Musikvereins am 21.10.1990 dank der Mitwirkung der „Harmonie St. Caecilia“ aus Kalkars Partnerstadt Gendt. Im Rahmen des Konzertes wurden Heinz Wilmsen, August Mohn und Josef Hülsbrink aufgrund ihrer besonderen Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt (nebenstehenden Zeitungsbericht vergrößern). Musikalischer Höhepunkt waren "Choral & Rock Out" und Beethovens "Ode an die Freude", gemeinsam gespielt von beiden Orchestern.
Tausend und eine Nacht - das war das Thema des Familienabends des Kalkarer Bürgerschützenvereins im Februar 1991. Der Musikverein trat kostümiert auf und spielte „Auf einem Persischen Markt“ von Albert W. Ketelbey (siehe Foto unten).

Seinen ersten (und bisher einzigen) Fernsehauftritt hatte der Musikverein am 2.6.1991. Nach stunden-, ja tagelangen Proben übertrug der WDR aus der Nicolai-Kirche einen Vespergottesdienst. Die musikalische Gestaltung hatten in erster Linie die Kirchenchöre, während der Musikverein die Gemeindegesänge begleitete. Wegen Boris Becker wurde dann aber leider nichts aus der Live-Übertragung im Ersten. Statt dessen wurde der Gottesdienst als Aufzeichnung im 3. Programm gesendet.
„Jetzt oder Nie“ hieß die Fernsehsendung vom 28.9.1991, in der es darum ging, die Fährverbindung zwischen Grieth und Grietherort innerhalb von 36 Stunden wieder zu aktivieren. Die Fähre fuhr dann zwar wieder, jedoch 25 Minuten zu spät. Wette verloren! Der Musikverein spielte im Rahmenprogramm zur Unterhaltung auf.
Beim Herbstkonzert am 13.10.1991 führte der Musikverein erstmals ein Werk eines einheimischen Komponisten auf, die „Niederrheinischen Tänze“ des Komponisten, Dirigenten und Hochschulprofessors Walter Gieseler. Mit großem persönlichen Engagement hatte er die Suite in mehreren Proben mit dem Ensemble des Musikvereins einstudiert und leitete dann auch die Aufführung.
Seinen ersten musikalischen Wettbewerb bestritt der Musikverein mit 45 Musikern am 3.11.1991 mit der Teilnahme am 3. Deutschen Orchesterwettbewerb in Krefeld. Es wurde die Stücke „Burlesque“ (G. Salnikov) und „Hobbits“ (J. de Meij) gespielt. „Ein großer Erfolg und eine wichtige Erfahrung“ urteilte der Vorsitzende Stephan Weber, auch wenn der Musikverein nicht in die Endrunde kam.  -  An einem nasskalten Novembertag (23.11.1991) spielte der Musikverein ein Ständchen zur Grundsteinlegung des „Eulenspiegel“ Kindergartens an der Tiller Straße.

Nachdem im Jahre 1991 erstmals vier Jugendliche des Musikvereins die Prüfungen für das „Jungmusikerleistungsabzeichen“in Bronze (D3-Qualifikation) bestanden hatten, waren es ein Jahr später bereits 18. Die Abzeichen wurden auf der Mitgliederversammlung am 10.4.1992 durch die Vertreter des Blasmusikverbandes Nordrhein-Westfalen, den Prüfer Wilhelm Krahnen und den Verbandspräsidenten Josef Janssen (von links) verliehen.
Die Stadt Kleve feierte die 750. Wiederkehr der Erlangung ihrer Stadtrechte. Aus diesem Anlass hatte man für den 28.3.1992 die Verleihung der „Pro-Musica-Plaketten“ für Orchester und der „Zelter-Plaketten“ für Chöre in die Klever Stadthalle geholt. Der Musikverein spielte zur Begrüßung der Gäste.
Das gleiche Jubiläum feierte die Stadt Kalkar am 6.9.1992 mit einem Stadtfest. Die Mitwirkenden aus den Vereinen und Gilden waren in historische Gewänder gekleidet. Der Musikverein hatte erneut die „Harmonie St. Caecilia“ aus Gendt eingeladen. Im Wechsel spielten beide Orchester ab 14:30 Uhr auf dem Marktplatz.
Nach 24 Jahren verließ am 20.9.1992 Pastor Norbert Hoffacker die Stadt Kalkar. Er war dem Musikverein immer sehr aufgeschlossen. Im Gottedienst führten die Kirchenchöre aus Kalkar und Altkalkar, begeleitet von einer Bläsergruppe des Musikvereins, die “Turmbläsermesse“ von Friedolin Limbacher auf. Am 24.10.1992 trat der Nachfolger Pfarrer Mertens sein Amt an.

Neuanschaffung! Am 25.10.1992 wurde die neue „Große Trommel“ dem Orchester vorgestellt. Insbesondere aufgrund der Initiative des Dirigenten Wilhelm Wienemann (im Bild hinten links) hatte rund 14 Jahre zuvor mit der Anschaffung der Kesselpauken eine kontinuierliche Ausweitung des Instrumentariums begonnen. Auch die Einführung von Saxophonen fand im Musikverein erst in den 80er Jahren statt. Durch die Einführung von Oboe und Fagott und der Ausweitung des Schlagzeugs verfügte der Musikverein nun über den vollständigen Klangkörper des Sinfonischen Blasorchesters. Im Bild zu sehen sind (von links): Wassem Butt, Wilhelm Wienemann, Andrea Hülsbrink, Guido Braam, Monique Arntz und Heiko Kanngießer.

Der Blasmusikverband Nordrhein-Westfalen, dem der Musikverein seit 1991 angehört, veranstaltete am 28. und 29.11.1992 sein zweites Wertungsspiel, an dem 14 Orchester teilnehmen. Ausrichter war der Musik Verein von Calcar, der sich mit dem Selbstwahlstück „Ouvertüre 1812“ (Tschaikowski) und dem Pflichstück „Ouvertüre für Harmoniemusik“ (Mendessohn-Bartholdy) der Jury stellte und einen 1. Rang belegte.

Mehr als 200 Aktive gestalteten das Programm beim traditionellen Weihnachtskonzert am 20.12.1992, davon alleine 48 vom Musikverein. Unter der Leitung von Wilhelm Wienemann spielte das Orchester u.a. „Wachet Auf!“ von Bach und das Finale aus der 3. Sinfonie von Gustav Mahler. Die Nicolai-Kirche war auf den letzten Platz besetzt.
Höhepunkt des Jahres 1993 war die Teilnahme am World Music Contest (WMC) in Kerkrade (NL) am 10.7.1993. Der WMC wird als inoffizielle Weltmeisterschaft der Blasmusik angesehen. Mit dem Pflichtstück „Visions Of Flight“ (R.Sheldon) und dem Wahlstück „Hobbits“ (J. de Meij) stellte sich das Orchester der strengen Jury. Der Musikverein konnte mit seinen Leistungen sehr zufrieden sein und erreichte mit 253 von 360 Punkte einen 2. Preis. 

... weiter mit Teil 5