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Chronik - Teil 2

Die Jahre des Wiederaufbaus nach 1945

Der zweite Weltkrieg war dem "Musikverein Kalkar" zum Verhängnis geworden. Er hatte die Hälfte seiner Mitglieder verloren: Theodor Bettary, Johann Lörks, Johann Verhülsdonk, Wilhelm Fischer, Johann Wilmsen, Gerhard van Bebber, Theodor Lemm, Josef Siking und Ludwig van Wickeren. Aber die Überlebenden trafen sich wieder.  Am 14.1.1947 beschlossen sie die "Neugründung" des Vereins: Heinrich Boothe (Vorsitzender), Wilhelm Völling (Schriftführer), Jakob Herentrey (Kassierer), Theodor Völling, Josef Verhülsdonk, Karl Scheepers, Wilhelm Maas, Heinrich Nienhuis und Johann Maas.Alle Instrumente waren verlorengegangen.  Da Geld nicht viel zählte, wurde Messing gesammelt - über 4 Zentner bis zum 31.5.1947 - dazu Butter und Speck.  So gelang es, drei Musikinstrumente zu "organisieren". Stolz führten Heinrich Boothe, Theo Völling und Josef Verhülsdonk sie ihren Kameraden vor, am 18.1.1948 im Lokal Lemm. Es ging bergauf. Zum Jahresende besaß der Verein bereits 18 Instrumente.  Junge Spieler schlossen sich dem Orchester an und Karl Rucinski wurde Dirigent. Unter seiner Leitung fand am 14.11.1948 im Saale Felix Görtzen ein erstes "Volkstümliches Konzert" statt. Anschließend spielten einige Mitglieder des Vereins zum Tanz auf, und Karl Scheepers führte eine Verlosung durch. Es wurde ein voller Erfolg.

Karneval im Jahre 1948 oder 1949 im Saale Görtzen. Solotrompeter war Dirigent Karl Rucinski.

Schwierig war die Suche nach einem Probelokal. Der mit den Übungsstunden verbundene Geräuschpegel verlangte auch vom Vereinswirt gute Nerven. Sein neues Zuhause fand der Musikverein schließlich im März 1949 im Lokal der Witwe Scholl, Kesselstraße, das später von deren Tochter Änne und Ehemann Josef Janhsen übernommen wurde.

"Gruß an Kalkar", eine Marschkomposition von Karl Rucinski, erlebte am 6.11.1949, vom Publikum stürmisch gefeiert, seine Uraufführung.  Anlass war ein "Volkstümliches Konzert" im Saale Görtzen.  Das Orchester, nunmehr bereits 17 Mann stark, spielte offiziell 12 Stücke, darunter die "Ouvertüre zu Berliner Luft", "Amina - ägyptisches Ständchen" und "Berlin bei Nacht" von Paul Lincke.  "Kalkarer Musikverein wieder aktiv", berichtete die Rheinische Post und weiter: "Dem Musikverein Kalkar ... kann versichert werden, dass er sich zu einem leistungsfähigen und harmonischen Klangkörper entwickelt hat“.Kalkar und „sein Musikverein“

St. Nicolai sollte neue Kirchenglocken erhalten. Der Musikverein, der jetzt 21 Mitglieder zählte, gab zusammen mit dem Kirchenchor am 8.4.1951 im Saale Gottlieb Detmer, Kesselstraße (heute Hotel Siekmann), ein Wohltätigkeitskonzert. Höhepunkt war der Walzer "An der schönen blauen Donau", gemeinsam vorgetragen mit dem Chor.

Ein zu dieser Zeit entstandenes Foto zeigt: Josef Verhülsdonk, August Mohn, Willi Maaß, Heinrich Boothe, Josef Stockhorst, Josef van Briel, Hermann Stockhorst, Jakob Herentrey, Edmund Gens, Theodor Plage, Hans Römer, Heinz Boothe, Theoder Völling, Karl Wynhoff, Willi Konrad und Johann Lümmen.

Dirigent war seit März 1950 der Lehrer Edmund Gens aus Vynen. Er kam immer mit seinem Motorrad (98 ccm) nach Kalkar und es wird erzählt, dass er manchmal bei geöffneter Türe gleich bis zur Theke fuhr. Karneval 1955: Der Schützenverein Altkalkar veranstaltete im Saale Siekmann (Tonhalle) einen "Kappenabend".  Eine Abordnung des Musikvereins spielte zum Tanze auf.  Das Honorar betrug 20,- DM pro Stunde - nicht pro Person, sondern für die ganze Kapelle!  Zusätzlich verpflichtete sich der Veranstalter" die Musiker stündlich mit einem Glas Bier zu versorgen und zum Abschluss ein Abendessen zu stellen." Neben Konzert-, Marsch- und Kirchenmusik war die Tanzmusik damals ein wichtiges Standbein des Musikvereins.  Mit dem dabei verdienten Geld wurden Instrumente und Uniformen angeschafft.

Ganz modern mit Tenchcoat und Schlapphut spielt der Musikverein Anfang der 1950er-Jahre auf dem Marktplatz.

Josef Hülsbrink, 25 Jahre jung, wurde im März 1955 zum 1. Vorsitzenden gewählt.  Die allmähliche Ablösung der "Gründergeneration" brachte manche Probleme mit sich. Oft war bei den Auftritten die Besetzung nur schwach, und es kam zu dauernden Umbildungen des Vorstandes, was vom Vorsitzenden viel Fingerspitzengefühl und gute Nerven verlangte. Aber auf "Jupp" Hülsbrink konnte man sich verlassen.  Er leitete den Verein bis Oktober 1965.  Als 1. Tenorhornist war er bis 1981 im Orchester aktiv, stand auch nach seiner aktiven Zeit dem Verein mit Rat und Tat zur Seite und wurde 1988 zum Ehrenmitglied ernannt. Er starb im Jahre 2005.

Ebenfalls im März 1955 wählte der Verein Theodor Völling zum neuen Dirigenten.  Er beherrschte fast sämtliche Blasinstrumente, jedoch war das Piccolo seine Favoritin.  Manchmal verblüffte er seine Kameraden, indem er die Noten beim Spielen auf den Kopf stellte!  Einer seiner bekanntesten Sprüche war: "Wat dün eck met en Kont, wänn eck se nit voll hämm?" Auch als Ausbilder war er für den Verein unentbehrlich.  "Thei" Völling verstarb im Oktober 1987.

Mit einem feierlichen Festakt im Rathaussaal wurde am 1.7.1955 das Kalkarer Rathaus eingeweiht.  Das Streichorchester "St.  Magdalena" aus Goch sorgte vor erlesenem Publikum für die musikalische Umrahmung und der Musikverein gab am Abend ein Ständchen auf dem Marktplatz.

Beim Königschießen auf der Wiese bei Euwens (Wallstraße) am 17. Juli 1955.

Zum ersten Stiftungsfest des jungen Kalkarer Bürgerschützenvereins veranstaltete der Musikverein am 6.11.1955 ein dreistündiges "Wunschkonzert".  Er wurde dabei wieder einmal verstärkt durch einige Spieler der Gocher Feuerwehrkapelle. Im Gegenzug hatten Kalkarer Spieler schon oft in Goch ausgeholfen."30 Jahre Musikverein Kalkar" - dieses Jubiläum feierte der Verein am 6.10.1957. Schließlich berief er sich auf das Gründungsjahr 1927.  Im Saale Jupp van Bebber fand ein Konzert statt, das erste seit vier Jahren.  Ein Grund besonderen Stolzes: Endlich hatten alle 21 Spieler einheitliche Uniformen.  Der Höhepunkt des Abends: "Thei" Völling reichte unter jubelndem Beifall den Taktstock weiter an Ehrendirigent Edmund Krieg.  Dieser dirigierte seinen Lieblingsmarsch "Er weicht der Sonne nicht".  Der 76jährige Edmund Krieg war eigens für dieses Konzert aus Halle/Westfalen angereist, wo er seit Kriegsende mit seiner Familie lebte."Alle Glocken von St. Nicolai läuteten", überschrieb die Rheinische Post einen Bericht vom Besuch des Weihbischofs Baaken am 4.6.1961, und weiter "Darbietungen des Kirchenchores und des Musikvereins gaben der Begrüßungsfeier den würdigen Rahmen.

Fronleichnam 1962 oder 1963: Der Musikverein unter der Leitung von Heinz Seesing (Dirigent seit November 1957) in der Kesselstraße.

"Die Gemeinde Gendt (NL) feierte am 15.7.1962 wieder einmal ihr "Kirschenfest", doch diesmal noch etwas bunter als sonst. 300 Kalkarer Bürger, Vertreter verschiedener Vereine, nahmen am Umzug teil, darunter auch der Musikverein. Er spielte anschließend im Festzelt zum Tanze auf.

Die Gendter Vereine revanchierten sich mit einem Gegenbesuch. Anlass war das 35jährige Stiftungsfest des Musikvereins am 7.10.1962. Am Sonntagnachmittag fand auf dem Markt ein mehrstündiges farbenprächtiges Konzert statt. 12 Blasorchester und Tambourcorps wirkten mit. Die Organisation lag in Händen von Josef Hülsbrink und August Mohn. Karl Braam, damals Klarinettist im Musikverein, machte die Ansagen. Schon am Vorabend hatte das Fest einen vorläufigen Höhepunkt erlebt. Das Tambourcorps Altkalkar unter Heinz Horst und der Musikverein, geleitet von Heinz Seesing, führten zum ersten Mal gemeinsam den "Großen Zapfenstreich" auf.

Das Pressefoto zeigt das Tambourcorps Altkalkar und im Hintergrund den Musikverein beim "Zapfenstreich" am Samstagabend (6.9.1962) auf dem Marktplatz. "Der Musikverein ... ist mit seinen Vorträgen aus dem öffentlichen Leben der kleinen Stadt nicht mehr wegzudenken", urteilte die Presse.

Karneval 1964 fand endlich wieder ein Rosenmontagszug in Kalkar statt, veranstaltet von der Schuljugend. Der Musikverein fuhr auf dem Wagen von Jan Lemm. Er hielt bei jeder Kneipe und machte mit einer Schelle auf die herannahende Gefahr durstiger Bläser aufmerksam.

Umzug des Bürgerschützenvereins Altkalkar am 6. Juli 1965. Vorne rechts Heinrich Boothe, daneben die beiden heute noch aktiven Posaunisten Karl Hülsbrink und Paul Neinhüs.

Im Jahre 1966 war auch der Karnevalsverein KKG wieder aktiv. Der "Ochsensonntag" wurde aus der Taufe gehoben. Damals gab es noch einen richtigen Ochsen - gebraten am Spieß zu 2,- DM die Portion.  Der Musikverein spielte im Festzelt auf dem Marktplatz zur Unterhaltung auf.

Mit Heinz Wilmsen (Vorsitzender), Karl Hülsbrinck (Schriftführer) und August Mohn (Kassierer) wählte der Musikverein 1966 einen neuen Vorstand.  Gleichzeitig übernahm Karl Braam die Vereinschronik. Er vervollständigte die Aufzeichnungen seiner Vorgänger Karl Hülsbrinck, Franz Wirtz und Erich van Gemmeren unter Mithilfe von Heinrich Boothe und legte damit den Grundstein zu einer umfassenden Chronik, die zurückreicht bis ins Jahr 1927. Heinz Wilmsen war bis zum Jahre 1990, also 34 Jahre lang Vorsitzender des Musikvereins und erhielt aufgrund seiner besonderen Verdienste im Jahre 1988 die Ehrenmitgliedschaft.

Seine erste große Bewährungsprobe bestand das neue Team bei der Organisation des 40.  Stiftungsfestes am 29. und 30.4.1967. Es begann am Samstagabend mit einem Jubiläumskonzert im Saale Siekmann. Heinrich Boothe leitete das 29 Mann starke Orchester. Am Sonntagnachmittag folgte ein Festumzug mit 9 Gastvereinen, der mit dem Marsch "Alte Kameraden" auf dem Marktplatz seinen Abschluss fand.

DasFoto entstand zum 40jährigen Jubiläum vor dem Vereinslokal "Scholl" in der Kesselstraße (von links vorne nach rechts hinten): Johann Verhülsdonk, Karl Wynhoff, Karl Hülsbrinck, Heinrich Boothe, Heinz Wilmsen, Paul Hübbers, Hubert van bentum, Helmut van Elten, Bernd Lindemans, Karl Braam, Ewald Arntz, Paul Neinhüs, Gert-Albert Verhülsdonk, August Mohn, Gerd Kohl, Herbert van Staalen, Franz Wirtz, Siegfried Bröcker, Josef Hülsbrink, Willi Langenberg, Günter van de Hurk und Walter Verheyen.

Kalkars „Fest des Jahres“1970 war das 100jährige Bestehen der Volksbank Kalkar. 1500 Gäste feierten am 12.6. im blumengeschmückten Festzelt auf dem Markt. Der Musikverein brachte ein Geburtstagsständchen. – Den ersten Bewohnern des Altkalkarer „Dichterviertels“ wurde eine „tolle Überraschung“ geboten, so die RP. „Der Musikverein brachte zum Einzug eine Serenade“ (1.9.1970). – Am 12.6.1971 spielte der Musikverein im Wechsel mit dem Jugendorchester Appeldorn am neu angelegten „Ententeich“: „Ein klingender Auftakt der Kalkarer Strandkonzerte“ schrieb die RP.

Wilhelm Wienemann übernahm im Mai 1972 die musikalische Leitung und ein großes Ereignis stand vor der Türe. Seit 1966 fanden jährlich die Treffen der "Vereinigung der Blasmusikvereine des Kreises Kleve" (gegründet 1959) statt.  Nun war der Musikverein Ausrichter. Nach dem Festzug durch die Stadt gaben die 7 teilnehmenden Vereine ein Konzert auf dem Markt. "Urlaub am Bodensee" und "Europaparade", die Beiträge des Musikvereins, nahm die Presse allerdings eher kühl auf. Beim Schlager "Schöne Maid", gespielt von einem anderen Orchester, jubelte sie hingegen. Dies sei "Werbung für die Blasmusik". Zu den herausragenden Ereignissen gehörte 1973 die "Kalkarer Woche" (8.-16.9.). Hier wirkte der Musikverein beim Festumzug in Grieth, beim Fußballturnier, beim Karpfen-Wettangeln und beim Fahnenschwenken während der Abschlussveranstaltung mit. Im gleichen Monat fand die Einweihung des neuen Gemeindezentrums durch den Bischof von Münster statt. Während die feierliche Zeremonie drinnen ihren Lauf nahm, spielte der Musikverein draußen zur Unterhaltung auf.Zu einem großen musikalischen Erfolg wurde die Teilnahme am "Freundschaftstreffen der Blasmusikvereine" im Juli 1974 in der Kranenburger Grenzlandhalle. Mit der Aufführung des konzertanten Potpourris "Wo die Wolga fließt ..." überraschte der Musikverein das fachkundige Publikum.  Er setzte neue Maßstäbe und erntete uneingeschränkte Anerkennung.

... weiter mit Teil 3